Zeit für die Kinder, den Abendgruss des schwedischen Fernsehens zu sehen. Zeit, nach einem voll gepackten Nachmittag mal wieder durch zu atmen. Ich weiss, Frau Ministerin, Fernsehen macht dumm und gewalttätig, genau wegen dieser zweifellos richtigen Aussage mag ich Sie sehr, auch wenn Sie nicht die erste Bundesfamilienministerin sind, die darauf gekommen ist, aber ich habe leider kein Kindermädchen und komme auch nicht aus gesetztem Hause, mein Vater war auch kein niedersächsischer Ministerpräsident zu Zeiten, als es allen blendend ging, so dass ich mir eines leisten könnte. Deswegen leiste ich mir den Luxus, mir ein elektronisches zu leisten, sei es auch nur für eine halbe Stunde oder Stunde. Aber das hilft (Gott sei Dank?) auch nicht viel: Yoram steht schon wieder neben mir und spielt mit einer der Spieluhren…

Nachdem die Brüder heute nachmittag nach hause gekommen waren, war hier natürlich der Teufel los. (Das war er auch schon nur mit den kleinen, aber jetzt erst recht.) Ich hatte nämlich unvorsichtigerweise fallen lassen, dass Oma übermorgen Geburtstag hat und dass man doch etwas hinschicken könnte. Und da setzte sich die Kreativität unserer Kinder wie ein Uhrwerk in Gang. Jacob sprang sofort herum und suchte Klarsichtfolie oder durchscheinendes, dünnes Papier, um einen Lampion zu basteln, den sie sich dann nur noch zusammen kleben müsste. Noah und Hannah meinte, sie müssten unzählige Briefumschläge verarbeiten, um daraus irgendetwas Brauchbares für Omas Schrankwand zu machen. Und Yoram produzierte Bilder, eine seiner leichtesten Übungen, am Fliessband. Und meine Idee war ja, Sonnenkonfetti herzustellen, in einen Briefumschlag zu tun und zu ihr zu schicken. Ausser Yorams Bildern ist nichts draus geworden, so werden wir wohl doch Blumen schicken. Jedenfalls waren wir damit eine Weile alle beschäftigt.

Doch nun wurde es Zeit, Abendessen zu machen. Und wir kochten etwas, was Yoram später als Richter speziale, vielleicht in Anlehnung an Salto mortale – naja, ganz so mörderisch war es nun auch wieder nicht. Richter speziale zum Mitschreiben – vielleicht wird ja Johannes B. Kerner auf die verborgenen Kochkünste im Lande aufmerksam und lädt uns zu sich in seine Freitagabendsendung, um gemeinsam mit Sarah Wiener und Josef Lafer zu kochen; vier Sterne hat unser Hotel Papa allemal. Richter speziale also zum Mitschreiben: Italienische Nudeln bissfest gekocht – Bolibompa versagt gerade, die Kinder beginnen, sich wieder zu bewegen, sprich: zu toben – Nudeln jedenfalls in Gemüseboullion von Rapunzel und bissfest, dazu eine Sauce aus Putenfleischwurst von Ingelsta, Champignons von Eldorado, Zwiebeln vom Mossagården, Tomatenketchup von Heinz und einem Ei vom Huhn. Das ganze umgerührt von Yoram und dazu geriebener Käse, heute mal halb ungerieben, von Noah und Hannah. Guten Appetit. Blitzschnell gemacht, nur zehn Minuten – länger reicht der Atem der Kinder auch nicht.

Dann haben wir gegessen. Schöne Umschreibung! Ich wollte kein Foto des Tisches hier ins Netz stellen, um n niemandem das Essen zu verderben, aber ich habe ja ’ne Woche Zeit, das Chaos wieder her zu richten, so dass die Regierung, wenn sie denn nach hause kommt, ihr Chaos wiederfindet – nicht unsers. Mal sehen, ob es mir gelingt.

Nun funktioniert wieder die Droge Bolibompa…

Und danach ist es läggdags, Zeit, schlafen zu gehen – man sieht, das Schwedische ist sehr ökonomisch: läggdags – Zeit, schlafen zu gehen, bolibompadags – Zeit, Bolibompa zu sehen usw. -dags lässt sich mit so gut wie allem recht beliebig kombinieren und bedeutet immer, dass es Zeit ist genau das zu tun, was das mit -dags kombinierte Wort will. Eine geniale Erfindung, isn’t it?

PS zum Thema läggdags: Alle Kinder liegen in ihren entsprechenden Fallen, da kommt Noah zum zweiten Male an, eigentlich zum dritten, aber das erste Mal ging er noch auf Toilette. Leicht säuerlich sage ich, er solle doch endlich ins Bett gehen – ich bin schliesslich nicht Rolf Zuckowski. Er druckst herum. „Na gut“, sage ich: „Dann leg dich doch in mein Bett.“ Noah: „Ja!“ Und zum Zeichen des Triumfes ballt er das kleine Fäustchen und macht eine Geste, als wäre Michael Ballack persönlich in ihn gefahren und hätte ein Tor geschossen. Hatte er ja auch, bloss nicht im Fussball. Und schwuppdiwupphastenichjesehenwarerweglagimbettundschlief – alles eins. Da liegt er nun – und schnarcht.

 PS2: Ungefähr 21.50 – vorerst letztes Lebenszeichen von der Regierung. Sie ist wohlbehalten gelandet und unterwegs zum See Genezareth. Und hier bei uns ist es still und leer, auch wenn die Bude voll ist.