Freitag, 10. November 2006


Ihr seid ja verrückt, über Jericho nach Jerusalem fahren zu wollen, und über Jericho und Nazareth – wie soll das technisch gehen?

Weisst Du noch, in Jericho? Wir waren da mal, auf unserer ersten gemeinsamen Reise überhaupt, unserer ersten und einzigsten gemeinsamen Reise nach Israel und ins Westjordanland. Ich erinnere mich an einen Marktplatz mit ganz viel Obst und Gemüse der frischesten Sorte. Mehr ist bei mir nicht hängen geblieben von der ältesten Stadt der Welt. Wir sind damals jedoch anders herum gekommen, von Jerusalem herunter, vorbei am Georgskloster, das ich noch vor Augen habe, und dann weiter ans Tote Meer und nach Massada. Schon erstaunlich, was man in Israel und Palästina alles an einem Tag an Weltgeschichte zu sehen bekommt. Ist es nicht vielleicht auch deshalb immer wieder zum Spielball der Geschichte geworden…

Und vorher noch nach Nazareth. Da werdet Ihr Euch sicher wieder diese riesige Kirche anschauen oder gibt’s dort noch mehr? Und pass auf, dass Dich dort keiner erkennt.

Ich glaube bislang noch nicht, dass der Islamische Djihad hier mit liest… oder die Hamas, so dass ich hier wohl keine Geheimnisse verrate.

Du wirst Dich wundern, warum ich das alles über den Blog in die Welt posaune. Warum nicht? Soll doch die ganze Welt wissen, dass ich Dich liebe, mir aber auch ein klitzekleines bisschen Sorgen mache. Darf ich doch oder?

Euch zu Hause, sind wieder da, gehe jetzt Abendbrot essen und werde dann meine Shabbeskerzen anzuenden. Morgen gehts nach Yerushalajim via Jericho und Nazareth.

Bis bald, eure ima, deine rumstreicherin

Eigentlich hätte der Morgen meinem Aufsatz gelten sollen, endlich mal wieder… Aber dann kam wie fast immer wieder das eine zum andern. Und schwuppdiwupp, ist der Morgen vorbei.

Der Nachmittag gilt mehr oder weniger den Kindern und dem Shabbes, der heute mit einem Lampionumzug gefeiert wird, einer zugegebenermassen merkwürdigen Massnahme, aber wenn man die Kinder an einer Waldorfschule hat, muss man damit leben – und den Kindern macht’s ja auch Spass, mit ihren selbst gebastelten Laternen durch die Dunkelheit zu ziehen und Martinslieder zu singen. Zu diesem Anlass müssen noch ein paar Pfefferkuchen gebacken werden, die dann in der Schule nach dem Lampionumzug verdrückt werden.

Gegen Drei hole ich die Kinder ab aus dem Kindergarten und der Schule und dann muss auch noch Oma angerufen werden, denn Oma feiert heute Geburtstag, und das jedes Jahr aufs Neue am 10. November, seit 74 Jahren.

Was nicht in diesen 74 Jahren alles passiert ist, an just jenem Tage oder um ihn herum.