Welch komisches Wort, so war es doch das Hauptthema in einem Vortrag, den R. (eine jüdische Waldorfkindergärtnerin) in Järna bei der jährlichen Tagung der Waldorfkindergärtnerinnen sich anhörte. Eigentlich sollte der Vortag eines renommierten anthroposophischen Kinderarztes über die ersten drei Lebensjahre eines Kindes sein. Der Arzt kam also an die Stelle, wo dann der krabbelnde Mensch beginnt, sich aufrecht zu stellen und anfängt zu laufen. Und dieses schafft er nach seiner Meinung nur dadurch, dass in ihm die Christuskraft wirkt. Hmmm,  R. (mir nicht sehr unähnlich) kann ihren Unwillen nicht verbergen und ihren Mund halten und fragt mitten in die andächtig lauschende Menge der überwiegend schwedischen Zuhörer ( wichtig zu wissen, man widerspricht in Schweden nicht und übt auch niemals Direktkritik – das darf man höchstens hinterm Rücken): Und wie habe ich dann laufen gelernt, so ganz ohne Christuskraft, denn ich als Jüdin spüre die nicht in mir. Alles still, stecknadelstill. Und dann nach längerem Überlegen die Antwort des Arztes: Entschuldigung, darüber habe ich noch nicht nachgedacht.

Vielleicht sollte sich so ein Vortragender genauer mit seinem Fach beschäftigen und daran denken, dass es bei Waldorfs heute interreligiös und international zu geht.