Eben war ich mit den Kindern auf einem kurzen Spaziergang draussen in der Stadt und stellte fest, dass es sehr still ist heute. Kein Lüftchen weht, kein Auto ist zu hören, kein Mensch zu sehen, selbst die Kirche ist duster und wartet auf den Gottesdienst heute nacht um halb zwölf. Nur in Rådhusrätten, einem Viertel hier ganz in der Nähe mit hohem Ausländeranteil war es etwas lebhafter, aber auch nur etwas. Überall sind hell erleuchtete Stuben mit natürlich Weihnachtsbäumen drin, aber kein Mensch ist zu sehen. Man wundert sich, wo sie wohl alle sein mögen an so einem Abend.

Nur in unsrem Kiez ist alles ganz anders: Da ist es nämlich ganz still. Von sechzig Wohnungen auf unserem Hof sind vielleicht noch sechs im Moment „bewohnt“. Alle anderen sind duster, die Bewohner ausgeflogen, maximal noch etwas Weihnachtsschmuck an den Fenstern.

Ein komischer Geburtstag. Etwas gruselig mit seiner Stille inmitten der Menschen. So ähnlich muss es den Menschen früher ergangen sein, als es noch keinen elektrischen Strom gab, keine ewig glitzernden Weihnachtsbäume und nen Haufen Geschenke darunter, sondern nur diese Stille, diese Dunkelheit, diese Nacht. Und ich kann verstehen, dass man eine dieser langen, dunklen und zuweilen ja auch kalten Dezembernächte zur heiligen Nacht gemacht hat – eben damit sie etwas kürzer, heller und wärmer wird.

Aber Joshua, wer denkt dabei noch an Dich? Unsere Hannah! Sie fragte vorhin: Wann gehen wir nun zu Jesus? Sie wollte ihm nämlich gratulieren zum Geburtstag. Als ich ihr dann erzählte, dass er schon lange tot sei, meinte sie: Aber dann kriegt er ja gar nicht seine Geschenke!

Aber solange man an einen Menschen denkt, kann man auch seinen Geburtstag feiern. Und so feiern wir am 28. weiter. Da wird nämlich mein Opa, sel. A., 100! Wieder ’n Grund zum Feiern! Das nimmt hier in dieser Familie kein Ende!