Wurde ich irgendwann mal in der Komvux ( Komunale Erwachsenenschule an der auch Einwanderer schwedisch lernen) in einem Religionskurs für Erwachsene gefragt. Viele antworteten gar nicht und die Antwort einer aufgestylten süssen blonden Schwedin fand die Zustimmung von über der Hälfte der Klasse. Sie antwortete so: Religion ist für mich, es lustig im Leben zu haben.  Ich war so ziemlich baff. Dieselbe Person sagte später auch noch, dass sie immer erst ihrem Pferd helfen würde, als dem vielleicht am Unfall beteiligten Menschen. Nun bin ich teils auf dem Bauernhof meiner Grosseltern aufgewachsen und von daher Tieren gegenüber sehr realistisch eingestellt, und so steht an erster Stelle bei mir der Mensch und dann natürlich sofort das Tier.  Aber das nur nebenbei. Diesen Kurs habe ich nicht bis zu Ende besucht, weil er mir zu oberflächlich und ungenau war. Das wiederum ist kein Wunder, da viele Religionslehrer (Religion an der schwedischen Schule ist niemals konfessionsgebunden, was auch gut ist) kaum Ahnung haben, von dem, was sie unterrichten. Ich finde, und heute ist es auch oft so, dass man, wenn man Religion unterrichten will, zumindest einen Grundkurs in Islam, Judentum und Christentum studiert haben muss. Bei meinen Mentorsstudenten sind auch viele zukünftige Relilehrer dabei. Also kann es nur besser werden mit dem Unterricht und nicht so wie unsere Töchter noch hörten von einem ihrer Relilehrer, dass die Kirche der Juden Synagoge genannt wird und vieles anderes Kurioses mehr.

Ja, was bedeutet Religion nun für mich/uns? Aufgewachsen sind wir, wie viele andere aus der ehemaligen DDR auch, sehr unreligiös. Es gab viele, die feierten Weihnachten und Ostern, ohne zu wissen warum, oder es als Jahresendfest und Frühlingsfest bezeichneten. Warum auch nicht, da beide Feste ja um den Winter- und Frühlingswendpunkt herum fallen. Fehlt nur noch Midsommar und irgend was im Herbst, aber da war ja Tag der Republik.

Nun zu uns. Erst als wir uns trafen, der König und ich wurde das Thema Religion wieder wichtig für uns und eigentlich noch viel wichtiger, auch insofern, dass wir uns mit unsern Wurzeln beschäftigten und auch für die Frage der Erziehung unsrer Kinder: was wollen wir ihnen mit auf den Weg geben. Wir haben viel darüber gesprochen, diskutiert, gestritten und dann irgendwann angefangen, mit ihr zu leben, und so ist unsre Religion zu einem wichtigen Bestandteil unsres Lebens geworden, zu einem Teil unsrer Beziehung, sie bestimmt die Erziehung unsrer Kinder, sie bestimmt unser Leben ohne uns zu vereinnahmen. Denn all das machen wir freiwillig, und wir tun es bewusst und sind in keinster Weise gezwungen zu irgend etwas. Religion oder besser gesagt mein Glaube ist also ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, ist mir Halt und Richtung weisend, ist mir Freude und ja auch Pflicht, ist das Beschäftigen mit meiner Herkunft und mit mir selbst, ist mir Hilfe bei der Erziehung unsrer Kinder …   Dazu kommt, dass ich es wichtig finde, zu wissen wohin man gehört und dass man sich zu einer Gemeinschaft zugehörig fühlt und weiss, wo sein zu hause ist, es gibt mir Geborgenheit und Kraft, aber auch die Beachtung des Menschen neben mir. Und es bedeutet aber auch Zweifel an Manchem und ist Diskussionsgrundlage, ob nun zu hause, in der Gemeinde oder an der Uni.  Ja, das alles bedeutet Religion/Glauben für mich und noch viel mehr. Und Klartext gesprochen, ist den Shabbes mit den Kindern feierlich mit Kiddush zu begrüssen, ein wichtiger Bestandteil unsrer Woche geworden. Genau wie unser Essen sich geändert hat und ändert (wir denken viel mehr darüber nach, was wir essen, wie wir es zubereiten und kaufen noch mehr ökologische Sachen), das Vorbereiten  der Feiertage mit allen guten und schlechten Seiten ( ich kann Matze nicht leiden, ich leide… aber die anderen dieser Familie nicht), die Paraschalesung mit den Kindern und das Erklären dieser, der Besuch in unsrer Gemeinde und das Beteiligen an den Veranstaltungen im jüdischen Zentrum hier in Lund und da besonders bei Dreidlach mit den Kindern. Was ich mir wünsche, ist eine Rosh Chodesh Gruppe und dass wir hier jeden Shabbes Schacharit Shabbat haben können, aber irgendwie ist das noch nicht möglich. Aber vielleicht schicken wir die Jungs doch wieder zum Cheder nach Malmö, was aber wiederum eigentlich die Mitgliedschaft in der dortigen orthodoxen Gemeinde erfordert.

Nun ja, mal sehen, was kommt. Jetzt auf alle Fälle Rosenzweig und sein Stern der Erlösung, sehr hilfreich bei Fragen über Religion, aber schwer ganz kurz wieder zu geben und noch dazu auf schwedisch.