Januar 2007


Wir kommen gerade aus der Malmöer Synagoge und haben noch Jemand im Auto. Dieser Jemand erzählt: „Ja, es ist schon ein besonderer Tag heute, ich hab meinem Sohn (Jemand ist alleinerziehend mit einem schönen farbigen halbamerikanischen Sohn) Zeitungsartikel aus einer deutschen Zeitung (dort war ein Artikel über die Vatereltern und ihr Leben in einer kleinen deutschen Stadt; ehe sie in Auschwitz starben) vorgelesen und zwei Kerzen angezündet für meine Vatereltern (Farföräldrar).“ „Er will nicht viel zu tun haben mit Religion , mein Sohn“, sagt Jemand und ist ein wenig traurig, weil er nicht mit kam in die Synagoge, in der Jemand eigentlich nicht willkommen ist, weil halachisch ist dieser Jemand nicht Jude, da nur der Vater sein Judentum und seinen Lebensrucksack Jemand mitgegeben hat. Und die Synagoge samt Gemeinde ist orthodox, und somit ist Jemand nicht willkommen, obwohl Jemand mehr jüdisch als wir alle zusammen,mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Ich ziehe den Hut vor Jemand!

                                              Ich sah gestern die Bilder

aus
Kaunas
Babji Jar
Iasi
Warschau

aus
Sobibor
Treblinka
Majdanek
Auschwitz

Ich sah
meine Liebe
mit meinem Sohn
auf dem Arm

Ich sah
meine Tochter
versunken weinend
an ihrer Hand

Ich sah
meine Liebe
meine Tochter
meinen Sohn
an der Rampe
stehen
aus dem Güterzug
steigen
sich in die endlose Schlange
einreihen

Ich sah sie
sich entkleiden
nackt in der Kälte
stehen
auf ihrem letzten Weg
in die Dusche

Ich sah meine Liebsten
auf dem Weg
in den
Tod

Ich fühlte
mein Herz sich verkrampfen
sprang auf
rannte
zu den Betten
meiner Kinder
streichelte
umarmte
küsste sie
spürte sie

Es war nur ein Film

Doch
für
Millionen
war
das
kein
Film

Und ich sah

Es gibt kein
Verzeihen

Es kann keines geben

Nicht in Deutschland
Nicht in Litauen
der Ukraine
Rumänien
Polen

Nicht in Uganda
Nicht in Rwanda
Nicht in Bosnien
dem Kosovo
Osttimor

Nirgendwo

Und ich sah

Es gibt kein
Vergessen

Es darf keines geben

Nirgendwo

28. Januar 2000

Steven Marlauer, unveröffentlicht

Lebenszeichen aus dem kalten Brüssel!

Meine liebe Mama meinte doch, ich sollte meinen eigenen Reiseblog machen, aber da  mich das viel zu viel Zeit kostet schicke ich nun jede Woche einen Wochenrückblick, den sie dann auf ihrer Seite reinstellt.

Für alle die mich  nicht kennnen, ich bin Marie, von allen zu Hause Stina genannt. Ich bin für ein Jahr nach Brüssel ausgewandert um auf zwei süße Kinder aufzupassen. Lisa ist fast 4 und ein kleiner frecher Wirbelwind, und Daniel ist fast 2 fängt gerade an zu sprechen und ist ganz und gar Junge. So ich hoffe das hilft. Ich beantworte aber auch gerne Fragen die noch offen stehen 🙂 .

Wochenrückblick Woche 4:

Diese Woche hieß es für mich Prüfungen und Vorbereitung auf die Abschlussprüfung nächste Woche. Ich studiere ja nebenbei Französisch an der Uni. Da dies auch sprechen beinhaltet und mein gesprochenes Französisch noch immer zu wünschen übrig lässt, hat meine Gastmama Yvonnne, ( Sie hat holländisch als Muttersprache), das französisch  fernsehgucken eingeführt. Sehr zum Wehleiden meiner und Sebastians Seite(Gastpapa – Muttersprache deutsch), da ich nur wenig und Sebastian gar kein französisch verstehen. Ausserdem habe ich dieses Wochenende sturmfreie Bude. Alle sind nach Holland zum Geburtstagfeiern ausgeflogen. Und ich passe brav auf das Haus auf. Morgen (Sonntag), treffe ich mich mit meiner Au-pairkolleginnen (hört sich das nicht erwachsen an) zum Kaffeetrinken und über Kinder beschweren, nicht zu vergessen das meckern über die zuhausgelassenen Freunde und Liebsten, die doch ruhig mal öfter anrufen oder sich einen einen schönen Brief zusammenreimen könnten. Naja so sind sie halt die Männer (mit Ausnahmen natürlich, sonst gibt es Protest von Mama) Mit Hinsicht auf nächste Woche werde ich dann wohl auch mal das Französischbuch öffnen und lernen. Naja und heute Abend geht es warscheinlich ins Kino. Ich wünsche allen eine schöne Woche 5, bis zum nächsten mal

Stina-Marie

Und an Euch zu hause noch ganz viele Küsschen.

wünscht die gesamte Mischpoke, ehe es gleich zur Synagoge nach Malmö geht (Eltern, Kinder gehn ins Bett). Vorher will ich aber noch schnell was in den Blog stellen. Unsre Zweite, die gerade in Brüssel als AuPair ist, wird jetzt jede Woche einen kleinen Bericht schicken.  Na dann viel Spass beim Lesen und falls jemand wissen will wie es als AuPair ist, wir leiten die Fragen gerne weiter.

..mit vielen kleinen Ereignissen, nachdenklichen, fröhlichen, musischen…

Nach der Uni heute, gehen  wir Eltern erst mal ganz alleine essen, hier in Schweden gibt es etwas sehr gutes in fast allen Restaurants – Dagens rätt – Tagesgericht – ein Essen zwischen 12-14 Uhr (meist mit Salat, Brot, was zu trinken, Kaffee hinterher und natürlich Hauptgericht) für 50 bis 70 Kronen, jeden Tag ein anderes, und es ist oft eines, was auf der Speisekarte steht. Und so kann man mal in den feinsten Lokalitäten speisen, ohne dafür eine Woche hungern zu müssen. So und das werden wir heute tun. Dann geht’s an die Shabbesvorbereitung, denn heute bekommen wir Besuch, einen langersehnten, unser Kinderarztfreund kommt zum Shabbesessen. Dann wird an diesem Wochenede noch Yoris Geburtstag nachgefeiert, was ja nicht bei uns stattfindet sondern von der Mutter seiner Freundin (die auch Geburtstag hatte) organisiert worden ist, wir tragen nur mit Kuchenschiffchen, Spielen, kleinen Preisen und ein bisschen Schmuck, oh Eis nicht zu vergessen, bei. Am Holocausttag (auf Schwedisch: Förintelsedagen, was übersetzt bedeutet Vernichtungstag – schreckliches Wort- aber es stimmt) sind wir abends in der Synagoge in Malmö. Ja, und dann ist auch noch Klezmerfestival am Sonntagnachmittag, 4 Stunden lang. Wie gut, dass die arme Lotta-Sophie zu hause ist und Kinder hütet, wirklich ganz freiwillig 😉 . Also nun nicht die ganze Zeit und heute morgen muss das schöne Kind auch erst noch zur Blutuntersuchung, bbrrrr. So, na dann, auf zur Uni und was über schwedische Museen anhören und der König über die deutsche Sprache und deren Geschichte.

Ein gutes Wochenende und Shabbat shalom!

bei uns hier im Kulturen in Lund:

Roy Andersson vill krossa myten / Roy Andersson will den Mythos brechen

Die Ausstellung, die morgen am Holocausttag eröffnet wird, ist ein Teil einer grossen Ausstellung,  die zuvor in Stockholm gezeigt worden ist. Sie will mit aller Deutlichkeit zeigen, dass die Schweden in der Zeit von 1933 bis 45 nicht so unschuldig waren, wie sie es immer gerne sein wollen und von Neutralität nicht zu sprechen sein kann. Angefangen von rassenbiologischen Untersuchungen (es gab bestimmte Rassengesetze bis in die siebziger Jahre!, da gibt es seit neuestem auch eine Film drüber) bis zu Experimenten an „Behinderten“ geht es auch um die Abweisung von Deutschen mit dem J im Pass, und das obwohl bekannt war, was in Nazideutschland mit Juden gemacht wurde….

På Förintelsens minnesdag den 27 januari öppnas utställningen ”Sverige och Förintelsen” på Kulturen. Det är en utställning där bland andra regissören Roy Andersson vill krossa den svenska självbilden. Så oskyldiga var svenskarna inte.
http://sydsvenskan.se/lund/article212971.ece

Wir haben hier so eine Sprüchekiste, aus der man wie bei der Jahrmarktslotterie so Lose ziehen kann. Wenn ich da ab und zu mal reingreife, ziehe ich immer gleich drei Lose ( ja,ja  ich kann nie genug kriegen, siehe Kinderzahl… 😉 ). Heute nun waren alle drei Sprüche unheimlich aufbauend und deshalb will ich sie Euch nicht vorenthalten:

In der Stille reifen die grossen Dinge. Thomas Carlyle

Niemand macht sich um die Welt so verdient wie gute Eltern. Eduard Bellamy

Lege das Ruder erst nieder, wenn das Boot an Land ist. Aus Gabun

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