März 2007


Wir sind heimgekommen und hatten noch eine halbe Stunde ehe der König zum Vortrag wieder los musste und da es so wunderbares Wetter war, wollten die Kinder natürlich nicht sofort rein, sondern erst noch eine Runde Frühlingsluft schnuppern . Gesagt getan und kaum waren wir wieder draussen , kam ein wahnsinnig nerviger wenn auch lieber Junge ( 4.Klasse Waldorf) zum xten mal vorbei und wollte wieder alte Zeitschriften verkaufen. (er verkauft alles was er findet, mal waren es sogar irgendwelche alten Sachen) Wie oft ich ihn schon fortgeschickt habe, weiss ich nicht. Man muss dazu sagen der Kerl hat es nicht leicht, eine psychischangeschlagene Mutter die jetzt glaub ich Pastor werden will und von der sich der Vater getrennt hat, weil er es nicht mehr ausgehalten hat mit ihr. Arme Kinder, Kerl samt Schwester, ein völlig unscheinbares weizenblondes Mädchen. Aber ich kann nichts für sie tun , hab genug andere und schon gar nicht Lust irgendwelche alten Kalle Anka (Mickymaus) Zeitschriften kaufen, den Geld haben sie eigentlich genug. Mein König aber, der ja auch Sozialarbeiter war und es im innerlichen immer noch ist, hattte wieder mal Mitleid mit ihm und hat ihm 2 der blöden hundealten Hefte abgekauft, völlig überteuert und völlig dumm, weil bei uns alnden die nach 5 Minuten im Müll.  Nur aus Mitleid. Und ich hatte blöder Weise gerade mal 5 Minuten allen den Rücken gekehrt und das lybische Baby bewundert. Tut mir leid aber nach dem mir der Kerli dann auch noch hämisch grinsend verkündete das mein Mann ja doch Hefte gekauft hatte, ätsch , bin ich sauer hoch drei geworden und habe den König angemotzt, bis der zu letzt aus Knatz mit mir zu dem Kerli hingegangen ist und das „Geschäft“ rückgängig gemacht hat. Hätte ich sonst selber getan, bloss ich hätte sie ihm vor die Füsse geschmissen und das Geld ( das Noah noch dazu beim Matzeverteilen gerettet hat, weil wir alle goldenen Taler – 10 Kronenstück- in eine Sparbüchse als Urlaubskasse stecken) hätte er behalten können. Der König hat es aber zurück bekommen und nun ist er sauer auf mich. Nicht der Kerli, der fährt draussen weiter herum und versucht seine Zeitungen zu verkaufen. Und nun ist er natürlich zum Vortrag abgedampft, ohne die Blumen für den Tisch und ohne Handy. Ist mir dann auch egal. Bloss schade das immer so doofe Andere uns aufeinander sauermachen. Naja keine Angst rengt sich alles wieder ein, aber ich will das andere Leute (in diesem Fall der Kerli) mein Nein akzeptieren und es nicht hinterfo… doch noch versuchen einen rumzubekommen. Unsere Kinder müssen das auch lernen und akzeptieren: Ein Nein ist ein Nein, ausser es ist wirklich lebenswichtig dass aus dem Nein ein Ja wird.

P.S. Nicht das jemand denkt ich mobbe den Kerli nun ganz, hab ich nie getan und werde ich nicht tun, er bekommt auch weiterhin noch ein Eis ab wenn genug da ist oder Waffeln oder ein Würstchen beim Grillen, aber ich werde auch weiterhin nichts mir aufdrängeln lassen.

… dann fehlt die geklaute Stunde doch ungemein, denn unser Tag hat schon zu wenig Stunden meiner Meinung nach. Aber immerhin die Sonne scheint und der Frühling will mit aller Macht nun seine Herrschaft übernehmen. Der König ist schon bei unserm Sonntagspreschooljob (putzen) und hat mir so lieb die beiden Kleinen abgenommen, die ihrem Papa beim saubermachen helfen. Ich hab allen Kerlen die Haare geschnitten, pünktlich vor Pessach und mach mich nun ans Charosset herstellen, denn im nachmittäglichen Dreidlach ist heute Pessachseder dran und die Kinder sollen natürlich auch Charosset probieren. Unsere zu Hause lieben es sehr und dass was nach dem Seder übrigbleibt wird am nächsten Tag zum Frühstück verputzt. Dann schnell Mittagessen, heute gibts nur Pytt i panna und danach alles fein anziehen, Sachen zusammensuchen und Mutter schon mit Fahrrad vorfahren , da die Matzeverteilung auch noch nebenbei ansteht. Dann nach Dreidlach und Verteilung (und Geld einsammeln, wir haben doch für 6000 Kronen Matze gekauft, uff war das viel, und das ist unser Haushaltsgeld für die nächsten vier Wochen) schnell wieder nach Hause, weil der König dann wieder runter zum Judiska Center muss, er hat heute Abend die Verantwortung für einen Vortrag dort  wo es um Tschaikowski und Babi Yar geht. Ich werd dann die Kinder ins Bett scheuchen und Wäsche machen und  mich an die Museumsarbeiten setzen. Hoffentlich freut sich der Geschichtsprofessor, der den Vortrag hält, über den kosheren Wein und eine Tschaikowski Jubiläums-CD. Ich weiss immer nicht was man so für fremde Leute kauft als Dankeschön und so hab ich das genommen.  Ja der Tag ist irgendwie proppenvoll und nun muss ich dringend weiter machen. Bis heute Abend und einen schönen Sonntag.

Bei der Umstellung auf Sommerzeit am letzten Sonntag im März folgt auf die „alte“ Uhrzeit 01:59:59 MEZ die „neue“ 03:00:00 MESZ. Die Stunde zwischen 2 und 3 Uhr gibt es nicht. Wenn die Uhr am letzten Sonntag im Oktober wieder zurückgestellt wird (von 02:59:59 MESZ auf 02:00:00 MEZ) gibt es die Stunde zwischen 2 und 3 Uhr nachts gleich zweimal.

Wollen wir doch mal sehen, ob die Computer auch wissen, was wir so mit unserer Zeit treiben…

… ich muss ja zu Bella Block!

 Wieder mal soweit: Sommerzeit!Es gibt sogar eine Seite die heisst www.zeitumstellung.de  und da stehts ganz genau:

Der Termin für die nächste Zeitumstellung

Seit dem 29.10.2006 befinden wir uns in der Winterzeit (Normalzeit).

Dabei wurde die Uhr um 1 Stunde auf 2 Uhr zurückgestellt.

Die nächste Zeitumstellung ist am:

Sonntag den 25.03.2007 um 2:00 Uhr.

Die Uhr wird dann um 1 Stunde vorgestellt,“ die Nacht ist also 1 Stunde kürzer“. Dabei findet der Wechsel von der Winterzeit (Normalzeit) in die Sommerzeit statt.

Ich kann übrigens das an der Uhr drehen gar nicht leiden, den irgendwie gibt es immer Komplikationen mit der Inneren Uhr unsrer Kinder und meinerselbst. 😦

                                                        geklaut hier:rhein-zeitung.de

Und hier kann man noch vieles nachlesen zur Sommer/Winterzeit: http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerzeit

Am Ende des Shabbat (wenn mindestens drei Sterne am Himmel sichtbar sind) dann verabschieden wir uns von diesem heiligen Tag mit der Zeremonie der Hawdala. Und begrüssen danach gleich die neue Woche. Die Hawdala besteht aus drei Segenssprüchen: über Wein, über Wohlgerüche und über Licht. Es wird dazu eine geflochtene Kerze mit mehreren Dochten angezündet. Man hat eine Besaminbüchse (Gewürzdose) und nach dem Gebet über die Gewürze, wird die Dose herumgereicht und jeder darf an ihr schnuppern (Unsere Kinder lieben dieses sehr und es dauert ewig, bis sie dann wieder am Ausgangspunkt angelangt ist.) Als Wohlgerüche dienen Gewürze, meist Nelken und Zimt. Dann wird die vorher angezündete geflochtene Kerze hochgehalten (meistens macht das Noah) und während des Kerzengebets schauen alle durch die Handflächen, die man zur Kerzen hinhält, auf die Kerze. Im Abschlussgebet wird G“tt gepriesen dafür, dass man das Besondere vom Alltäglichen trennt:

Transliteration: Barukh ata Adonai Eloheinu melekh ha‑olam, ha‑mavdil bein kodesh l’hol, bein or l’hoshekh, bein yisra’el la‑amim, bein yom ha‑sh’vi’i l’sheshet y’mei ha‑ma’a’se. Barukh ata Adonai, ha‑mavdil bein kodesh l’hol.
Translation: „Gepriesen seist Du, Ewiger, unser G“tt, Du regierst die Welt. Du trennst das Heilige vom Profanen, das Licht von der Finsternis, Israel von den Völkern, den siebten Tag von den übrigen sechs Werktagen. Gepriesen seist Du Ewiger. Du  trennst das Heilige vom Profanen.“ Amen
Nun bekommt jeder einen kleinen Schluck Wein oder Traubensaft und dann giessen wir ein wenig Wein auf einen besonderen Teller und löschen darin dann die Hawdalakerze.

Nun ist Shabbes vorbei und wir wünschen uns und euch eine gute Woche,

Shavua tov. Und das wünschen wir allen die dieses heute lesen.

 Unser Hawdalaset.

Hier kann man nochmal nachlesen:
http://www.talmud.de/havdalah.htm (Danke Chajm)

Heinrich Heine  Romanzero  III. Hebräische Melodien  

  

Prinzessin Sabbat

 

In Arabiens Märchenbuche

Sehen wir verwünschte Prinzen,

Die zuzeiten ihre schöne

Urgestalt zurückgewinnen:

 

Das behaarte Ungeheuer

Ist ein Königsohn geworden;

Schmuckreich glänzend angekleidet,

Auch verliebt die Flöte blasend.

 

Doch die Zauberfrist zerrinnt,

Und wir schauen plötzlich wieder

Seine königliche Hoheit

In ein Ungetüm verzottelt.

 

Einen Prinzen solchen Schicksals

Singt mein Lied. Er ist geheißen

Israel. Ihn hat verwandele

Hexenspruch in einen Hund.

 

Hund mit hündischen Gedanken,

Kötert er die ganze Woche

Durch des Lebens Kot und Kehricht,

Gassenbuben zum Gespötte.

 

Aber jeden Freitagabend,

In der Dämmrungstunde, plötzlich

Weicht der Zauber, und der Hund

Wird aufs neu‘ ein menschlich Wesen.

 

Mensch mit menschlichen Gefühlen,

Mit erhobnem Haupt und Herzen,

Festlich, reinlich schier gekleidet,

Tritt er in des Vaters Halle.

 

»Sei gegrüßt, geliebte Halle

Meines königlichen Vaters!

Zelte Jakobs, eure heil’gen

Eingangspfosten küßt mein Mund!«

 

Durch das Haus geheimnisvoll

Zieht ein Wispern und ein Weben,

Und der unsichtbare Hausherr

Atmet schaurig in der Stille.

 

Stille! Nur der Seneschall

(Vulgo Synagogendiener)

Springt geschäftig auf und nieder,

Um die Lampen anzuzünden.

 

Trostverheißend goldne Lichter,

Wie sie glänzen, wie sie glimmern!

Stolz aufflackern auch die Kerzen

Auf der Brüstung des Almemors.

 

Vor dem Schreine, der die Thora

Aufbewahret und verhängt ist

Mit der kostbar seidnen Decke,

Die von Edelsteinen funkelt –

 

Dort an seinem Betpultständer

Steht schon der Gemeindesänger;

Schmuckes Männchen, das sein schwarzes

Mäntelchen kokett geachselt.

 

Um die weiße Hand zu zeigen,

Haspelt er am Halse, seltsam

An die Schläf‘ den Zeigefinger,

An die Kehl‘ den Daumen drückend.

 

Trällert vor sich hin ganz leise,

Bis er endlich lautaufjubelnd

Seine Stimm‘ erhebt und singt:

»Lecho Daudi Likras Kalle!

 

Lecho Daudi Likras Kalle –

Komm, Geliebter, deiner harret

Schon die Braut, die dir entschleiert

Ihr verschämtes Angesicht!«

 

Dieses hübsche Hochzeitkarmen

Ist gedichtet von dem großen,

Hochberühmten Minnesinger

Don Jehuda ben Halevy.

 

In dem Liede wird gefeiert

Die Vermählung Israels

Mit der Frau Prinzessin Sabbat,

Die man nennt die stille Fürstin.

 

Perl‘ und Blume aller Schönheit

Ist die Fürstin. Schöner war

Nicht die Königin von Saba,

Salomonis Busenfreundin,

 

Die, ein Blaustrumpf Äthiopiens,

Durch Esprit brillieren wollte,

Und mit ihren klugen Rätseln

Auf die Länge fatigant ward.

 

Die Prinzessin Sabbat, welche

Ja die personifizierte

Ruhe ist, verabscheut alle

Geisteskämpfe und Debatten.

 

Gleich fatal ist ihr die trampelnd

Deklamierende Passion,

Jenes Pathos, das mit flatternd

Aufgelöstem Haar einherstürmt.

 

Sittsam birgt die stille Fürstin

In der Haube ihre Zöpfe;

Blicke so sanft wie die Gazelle,

Blüht so schlank wie eine Addas.

 

Sie erlaubt dem Liebsten alles,

Ausgenommen Tabakrauchen –

»Liebster! Rauchen ist verboten,

Weil es heute Sabbat ist.

 

Dafür aber heute mittag

Soll dir dampfen, zum Ersatz,

Ein Gericht, das wahrhaft göttlich –

Heute sollst du Schalet essen!«

 

Schalet, schöner Götterfunken,

Tochter aus Elysium!

Also klänge Schillers Hochlied,

Hätt er Schalet je gekostet.

 

Schalet ist die Himmelspeise,

Die der liebe Herrgott selber

Einst den Moses kochen lehrte

Auf dem Berge Sinai,

 

Wo der Allerhöchste gleichfalls

All die guten Glaubenslehren

Und die heil’gen Zehn Gebote

Wetterleuchtend offenbarte.

 

Schalet ist des wahren Gottes

Koscheres Ambrosia,

Wonnebrot des Paradieses,

Und mit solcher Kost verglichen

 

Ist nur eitel Teufelsdreck

Das Ambrosia der falschen

Heidengötter Griechenlands,

Die verkappte Teufel waren.

 

Speist der Prinz von solcher Speise,

Glänzt sein Auge wie verkläret,

Und er knöpfet auf die Weste,

Und er sprich mit sel’gem Lächeln:

 

»Hör ich nicht den Jordan rauschen?

Sind das nicht die Brüselbrunnen

In dem Palmental von Beth-El,

Wo gelagert die Kamele?

 

Hör ich nicht die Herdenglöckchen?

Sind das nicht die fetten Hämmel,

Die vom Gileathgebirge

Abendlich der Hirt herabtreibt?«

 

Doch der schöne Tage verflittert;

Wie mit langen Schattenbeinen

Kommt geschritten der Verwünschung

Böse Stund‘ – Es seufzt der Prinz.

 

Ist ihm doch, als griffen eiskalt

Hexenfinger in sein Herze.

Schon durchrieseln ihn die Schauer

Hündischer Metamorphose.

 

Die Prinzessin reicht dem Prinzen

Ihre güldne Nardenbüchse.

Langsam riecht er – Will sich laben

Noch einmal an Wohlgerüchen.

 

Es kredenzet die Prinzessin

Auch den Abschiedstrunk dem Prinzen –

Hastig trinkt er, und im Becher

Bleiben wen’ge Tropfen nur.

 

Er besprengt damit den Tisch,

Nimmt alsdann ein kleines Wachslicht,

Und er tunkt es in die Nässe,

Daß es knistert und erlischt.

 

Weiteres zum kontroversen Heine kann man u.a. hier im Tacheles nachlesen: http://www.chass.utoronto.ca/german/~goetschel/heine.pdf

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