Ich liebe Iris Berben. Das muss ich zugeben. Eine brillante Charakterschauspielerin – und wie ich gestern lernte auch eine brillante Komödiantin, aber daswar wohl vor der Zeit, als ich Zugang zu West-TV hatte…

Aber jetzt hat ihr Sohn Oliver sie in etwas verwickelt, was einfach nur haarsträubend ist.

„Der Tag wird kommen“ war der Renner beim ZDF in der letzten Woche, ein Dreiteiler, bei dem Iris Berben wieder die Rosa Roth spielte, allerdings mit einem Fall befasst, der zum einen fast ihr selbst, zum anderen aber auch der westlichen Zivilisation um ein Haar das Genick brechen sollte.

Das Ende vom Lied in dieser mit grossem Aufwand und einer Starbesetzung (Mario Adorf, Jasmin Tabatabai, Carmen-Maja Antoni, Zacharias Preen, Gunter Schoss, Anneke Kim Sarnau u.a.) hergestellten Jumboproduktion: Jede Menge Tote in Berlin, darunter neben einer Reihe von filmischen Schweinehunden auch Rosa Roths einziger Vertrauter (Roeder alias Zacharias Preen), der ihr noch geblieben war, nachdem alle in ihrem Umfeld an ihr gezweifelt hatten, wozu sie auch ein gerüttelt Mass beigetragen hat.

Und am Schluss war natürlich die Tussi vom BND (dargestellt von Anneke Kim Sarnau), von der wir alle glaubten, sie würde für Recht und Ordnung sorgen, die wahre Übeltäterin, die im Namen des Islam eine Pressekonferenz am Rande einer OPEC-Konferenz in Berlin dazu nutzen sollte, die ganze Welt mit einer neuartigen Waffe zu bedrohen, deren Besitz entscheidend für den Fortgamg der Weltgeschichte sein sollte.

Ein haarsträubendes Bedrohungsszenario, das man sich da ausgedacht hat. Vielleicht ist das ja von der Realität nicht soweit entfernt, weiss ich nicht. Aber muss man dafür der gesamten islamischen Welt einen Tritt in den Hintern verpassen, wie das im Film geschehen ist, als die BND-Tussi-Attentäterin, die natürlich eine Konvertitin zum Islam darstellen sollte, nach einem kurzen Gebet irgendeinen Scheich anklagte, sein Volk und die islamische Sache verraten zu haben und ihn dafür vor der gesamten Weltöffentlichkeit mit dieser neuen, von dem gewissenlosen Geschäftsmann van Kleve (gespielt von Mario Adorf), entwickelten und vertriebenen Keramikpistole erschiessen und damit ein Exempel statuieren wollte.

Mir scheint, der Film stösst hier an die Grenzen dessen, was künstlerische Freiheit und filmische Fiktion dürfen.

Insgesamt ein Film voller Action nach amerikanischem Vorbild, könnte man fast meinen, einer Geschichte, die nichts an Spannung zu wünschen übrig lässt, aber eine Botschaft verschickt, die eindeutig über das Ziel hinaus schiesst, meine ich.

Sehenswert oder nicht? Ich bin mir nicht sicher.