Mittwoch, 16. Mai 2007


Wieder mal bürgerkriegsähnliche Zustände in Kopenhagen, so habe ich es dieser Tage in den hiesigen Medien gelesen und eben nochmal bestätigt gefunden.

Diesmal ging es um den ausgebrannten Zigarrenkasten, also ein Haus, das Cigarrkassen heisst, im autonomen Stadtteil Christiania. Und wieder entzündet sich bei so geringer Gelegenheit ein lange schwelender Konflikt zwischen der offiziellen Politik und autonomen Ansichten, wie gerade erst vor zwei Monaten als wegen der Räumung des traditionsreichen Jugendhauses die halbe Stadt für zwei-drei Tage lahm gelegt und Barrikaden gebaut und in Brand gesteckt wurden.

Man fragt sich, worum es dabei geht. Will man auf Seiten der Christianiter und Ungdomshusler das Recht des freien Kiffens verteidigen? Will man auf Seiten der offiziellen Politik den starken Mann markieren? Oder geht es um mehr?

Das eigentlich Erschreckende dabei ist doch aber, dass offensichtlich das, was wir so gemeinhin als Demokratie bezeichnen offensichtlich einige Leute, und offensichtlich nicht wenige, aussen vor lässt. Das zeigte sich in den Banlieus von Paris, vor einigen Wochen in Rosengård in Malmö (wo man das Problem allerdings in den Griff gekriegt hat, bevor es ausarten konnte – wie auch immer). Das zeigt sich jetzt in Kopenhagen, und an Heiligendamm, die weisse Stadt am Meer, mag ich gar nicht erst denken. Besucht es, solange es noch steht. Ein wunderschöner Flecken Erde! Noch.

Und wie war das doch mit den Studenten in Haifa vor einigen Wochen?

Vielleicht habe ich ja ein bisschen viel in einen Topf geworfen, aber beunruhigend ist es doch, wenn die Chance besteht, dass wir Demokraten aller Couleur uns gegenseitig zerfleischen. Da wartet einer bloss drauf im fernen Teheran, und der ist damit nicht der Einzige.

PS: Seit zwei Stunden scheint sich allerdings ein positives Ende in dieser Auseinandersetzung um Christiania abzuzeichnen, wenn man Berligske Tidende glauben darf.

Verrueckt war das Wetter heute Nachmittag, verrrueckt der Verkehr hier in Jerusalem auch heute Nachmittag und nicht verrueckt war die Disskusion am Abend in der Gruppe .

Also wir wollten eigentlich im Cardo was einkaufen gehen, aber kaum waren wir halb da, so fing es wahnsinnig an zu giessen, dann zu hageln und gewittern. Puh waren wir nass bis auf die Haut. Aber wir haben uns dann doch noch bis zum Davidsgrab gewagt, pudelnass. Und sind dann zurueck mit einem Linienbus gefahren , der eigentlich direkt hier hoch geht, ein sehr netter alter Haredid (heisst das so Miriam) hat uns alles erklaert und auch geholfen spaeter den Weg zu finden, mit Emilia hat er ivrit gesprochen und mit mir wunderbares verstaendliches Jiddisch. Nur der Bus fuhr auf Grund der Feierlichkeiten riesige Umwege und nur im Schritttempo und war voll bis zum Stehkragen, was aber der froehlichen Stimmung im Bus nichts ausmachte. Wir sind dann nach einer Stunde fast in die Naehe unseres Halteplatzes gekommen und dann auf Geheiss unseres haredischen Busguides 😉 ausgestiegen und haben mit seiner Hilfe auch nach Hause gefunden und er ist gleich weiter nach Mea Shearim gegangen. Wie gut, dass es Menschlichkeit gibt.

Abends dann war eine Riesendisskusion wegen des komischen Armeniers, der sogar Professor fuer Geschichte sein soll, hat man aber nichts gemerkt von. Und man musste zugeben (von seiten der Institutsleitung), dass er wohl ein Fehlgriff war. Und hat sich mehr oder weniger bei uns entschuldigt.

So nun bin ich nach zweimaligen Duschen und Verhageln heute (habe ich noch nie hier in Jerusalem erlebt) hundemuede und werde samt einem Glas Wermut in mein Bett verschwinden und lesen. Gute Nacht Welt, bis morgen frueh.

Morgen und übermorgen sind hier grosse Ausflüge angesagt. Jacobs dritte Klasse „fliegt“ morgen, Hannahs und Noahs Kindergarten übermorgen, beides mit Kind und Kegel nach Björkens Dal, ein Steinwurf von hier entfernt. Und dabei fängt es gerade an, in Strippen zu regnen! Hoffe nicht (oder hoffe doch? – gespaltene Persönlichkeit, diagnostiziert mein Hausarzt), dass die Ausflüge ins Wasser fallen…

Ansonsten hält sich das Chaos in Grenzen. In der kurzen Draussenspielzeit nach der SChule heute gab es ein paar kleinere Tobsuchtsanfälle, z.B., als Hannah trotz Verbotes auf Nachbars Trampolin herum hopste oder später als Jacob feststellte, dass wir seine Scouties verpennt haben – obwohl ich glaube, die waren heute gar nicht… Jetzt ist jedenfalls Ruhe im Karton, Zeit für mich fernzusehen oder zu surfen oder an unserer Firmenpräsentation zu arbeiten – ojdå, wie das klingt!? Wie ’ne hochkarätige Homepage einer hochkarätigen Firma, dabei handelt es sich doch bloss um einen Haufen kleiner Blogs, die irgendwann mal miteinander verknüpft werden werden, eigentlich ja schon sind. Zusammen ergeben sie dann eine kleine Homepage einer klitzekleinen Firma, die es schon seit 1998 mehr oder weniger erfolglos gibt, aber wir arbeiten dran und werden von Jahr zu Jahr langsam aber sicher etwas grösser, zumindest hoffentlich bald so gross, dass wir uns selbst etwas über Wasser halten können, und die königliche Reise nach Jerusalem wird sicher zu einem Teil dieser Aktion werden.

… und fasse es immer noch nicht, das ich dummes Schaf weiter mitgegangen bin, wie alle anderen uebrigens auch. Ich war absolut nicht die Einzige, die heute morgen gemerkt hat, wie untragbar der angebliche armenische Guide war. Das Einzige was wunderbar war, ist die Aussicht gewesen, die wir von einem Haus im armenischen Viertel hatten, dass angeblich einem Freund gehoerte, der CocaCola Chef hier ist. Dieser Typ , also der Guide hat nur Hasstiraden von sich gegeben und standig auf Israel und Juden geschimpft und wie gut die Araber waeren und wie gut es die Armenier bei ihnen hatten und das er unbedingt die alten Grenzen wieder haben will und noch viel mehr….

Heute Abend ist zum Glueck Auswertung und da wird das zur Sprache kommen. Und jetzt gehen wir ins Juedische Viertel der Altstadt, das es laut Guideaussage gar nicht gibt.

Und es hat wieder geregnet, wir sind voellig nass geworden, es war so, als ob wir den Schmutz der schrecklichen Fuehrung abgewaschen bekommen haben. Jetzt ist wieder Sonne und es grummelt noch ein wenig. Also Regenschirm nicht vergessen, falls Ihr nach Jerusalem reisen wollt 🙂