Wieder mal bürgerkriegsähnliche Zustände in Kopenhagen, so habe ich es dieser Tage in den hiesigen Medien gelesen und eben nochmal bestätigt gefunden.

Diesmal ging es um den ausgebrannten Zigarrenkasten, also ein Haus, das Cigarrkassen heisst, im autonomen Stadtteil Christiania. Und wieder entzündet sich bei so geringer Gelegenheit ein lange schwelender Konflikt zwischen der offiziellen Politik und autonomen Ansichten, wie gerade erst vor zwei Monaten als wegen der Räumung des traditionsreichen Jugendhauses die halbe Stadt für zwei-drei Tage lahm gelegt und Barrikaden gebaut und in Brand gesteckt wurden.

Man fragt sich, worum es dabei geht. Will man auf Seiten der Christianiter und Ungdomshusler das Recht des freien Kiffens verteidigen? Will man auf Seiten der offiziellen Politik den starken Mann markieren? Oder geht es um mehr?

Das eigentlich Erschreckende dabei ist doch aber, dass offensichtlich das, was wir so gemeinhin als Demokratie bezeichnen offensichtlich einige Leute, und offensichtlich nicht wenige, aussen vor lässt. Das zeigte sich in den Banlieus von Paris, vor einigen Wochen in Rosengård in Malmö (wo man das Problem allerdings in den Griff gekriegt hat, bevor es ausarten konnte – wie auch immer). Das zeigt sich jetzt in Kopenhagen, und an Heiligendamm, die weisse Stadt am Meer, mag ich gar nicht erst denken. Besucht es, solange es noch steht. Ein wunderschöner Flecken Erde! Noch.

Und wie war das doch mit den Studenten in Haifa vor einigen Wochen?

Vielleicht habe ich ja ein bisschen viel in einen Topf geworfen, aber beunruhigend ist es doch, wenn die Chance besteht, dass wir Demokraten aller Couleur uns gegenseitig zerfleischen. Da wartet einer bloss drauf im fernen Teheran, und der ist damit nicht der Einzige.

PS: Seit zwei Stunden scheint sich allerdings ein positives Ende in dieser Auseinandersetzung um Christiania abzuzeichnen, wenn man Berligske Tidende glauben darf.