Oder was soll die Giraffe Brownie auf der Documenta darstellen? Ich weiss es nicht. Nur eines weiss ich, schon zu Lebzeiten ging es dem Tier schon nicht sehr gut , in einem viel zu engen Käfig und mit viel zuwenig Futter……

Aber lest selbst:

Der Focus schreibt zu dem „Kunstwerk“:

Sie ist ein bisschen geschrumpft, ihr Fell ist eingefallen, die Beine stehen schief. „Brownie“ blickt traurig vor leuchtend blauen Wänden und weiß nicht so recht, was sie in der Documenta-Halle verloren hat. „Brownie“ ist eigentlich ein „Er“ und 2002 an Herzversagen gestorben – als Folge eines Schocks nach einem Angriff der Israelis auf die Hamas im palästinensischen Westjordanland. „Brownie“ war die Attraktion im Westbank-Zoo Kalkilja, dem einzigen Tiergarten in Qalqiliyah und in der Gegend überhaupt.Hohes Tier in Kassel

Der Transport des präparierten Tiers aus der 45 000-Einwohner-Stadt, munkelt man in Kassel, sei der teuerste der Documenta gewesen. Der Österreicher Peter Friedl hat die vom Tierarzt des Zoos amateurhaft ausgestopfte Giraffe für seine „Zoo Story“ auf der Documenta 12 ausgeliehen. Für ihn ist sie auch Sinnbild einer ganz anderen Geschichte: über den Wahnsinn des Krieges. Aber auch über die Ohnmacht der Medien und deren Umgang mit „kolateralen“ Opfern.

Die FAZ schreibt dazu:

Das Kunstwerk, über das vermutlich sehr viel gestritten werden wird in den kommenden Wochen, ist eine Giraffe. Die Giraffe sieht so, wie sie da ausgestopft in der Documenta-Halle wartet, mitleiderregend aus; sie hat einen verbogenen, klumpigen Hals und steht unbeholfen und schräg da, wie ein Comic-Tier, das gerade bremst. Das Werk, das nur aus dem ausgestopften Tier besteht, heißt „Zoo story“. Man sieht aber keine Story, nur die Giraffe.

 

Die sei jedoch ein besonderes Tier, hatten uns die Documenta-Leiter Roger M. Buergel und Ruth Noack erklärt; bevor der österreichische Künstler Peter Friedl sie nach Kassel in die Documenta-Halle brachte, habe sie in Kalkilia im einzigen palästinensischen Zoo im Westjordanland gelebt. Als die israelische Armee eine Stellung der Hamas angriff, stürzte das Tier um, erstickte und wurde von den Zoobetreibern ausgestopft. Jetzt steht die Giraffe unkommentiert in der Documenta-Halle; gegenüber hockt ein gigantischer Stoffhund von Cosima von Bonin. Warum?

 

„Der Brownie“ – das ist die Giraffe – „ist ein Modell für Erzählungen“, hat der Künstler Peter Friedl gesagt, der die Giraffe nach Kassel holte. Aber was wird hier erzählt, und wie, und warum? Und was erzählt all das über die Documenta? Wir warten auf den Künstler.

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Aber die Giraffe: Was aktiviert die „ästhetische Erfahrung“ hier? Eine traurige Geschichte, erzählt Friedl: „Die Giraffenfrau, die Ruthi, war schwanger. Aus Gram über den Tod ihres Giraffenmannes hatte sie zehn Tage danach einen Abortus.“ Das totgeborene Giraffenjunge wurde ebenfalls ausgestopft und neben dem Vater aufgestellt. Nun ist das leidende, wehrlose Tier ein bekannter Topos in der Kunstgeschichte: In Picassos Antikriegsbild „Guernica“ berühren einen die schreienden Pferde fast mehr als die leidenden Menschen. Auch die ausgestopfte Giraffe ist eine Anklage. Man erfährt nichts über die Gründe des Angriffs, bei dem die Giraffe starb; wurden Stellungen beschossen, von denen aus Israel beschossen wurde? All das steht der Giraffe nicht ins Fell geschrieben, man würde es gern in einer Reportage lesen – die Kunst wirkt hier doch vollkommen überfordert von der politischen Tragik.

 

Befragt, ob die „ästhetische Erfahrung“ im Fall der Giraffe nur zur Not der Palästinenser führe oder auch die existentielle Angst Israels, die Bombenopfer in Tel Aviv im Bild halte, sagt Friedl nur, es gebe dort ja „sehr viel mehr Verkehrstote“. Es ist diese erstaunliche Kälte, die einen ratlos macht und die so gar nicht zum utopischen, festartigen Charakter der Documenta passt. Buergel und Noack werden noch einige Arbeit haben, zu erklären, was genau hier warum wohin migriert.

 

Hier ist er zusammen mit seinem ebenfalls ausgestopften Baby. (Bild aus Kalkilia)