Seit Tagen reden wir beim Morgenkreis in meinem jüdischen Kindergarten über ein sehr wichtiges Thema: Verzeihen und Versöhnen. Ihr könnt Euch vielleicht denken warum. Jom Kippur steht vor der Tür . Und auch unsern Kindern fällt es nicht immer leicht zu jemand anderes Förlåt zu sagen, wenn man diesem etwas unrechtes bewusst oder auch unbewusst angetan hat. 

Morgen Abend nun beginnt er: Jom Kippur.

Bei wikipedia findet man folgende Erklärung:

Jom Kippur (hebr. יום כיפור oder יוֹם כִּפּוּר, Jom Kippūr, auch Yom Kippur), ist der jüdische Versöhnungstag und gleichzeitig der wichtigste jährliche Festtag im Judentum, nach dem wöchentlichen Sabbat. Im jüdischen Kalender beginnt der Versöhnungstag bei Sonnenuntergang vor dem 10. Tischri (d.h. September/Oktober, siehe Jüdischer Kalender), und dauert bis zum nächsten Sonnenuntergang.

Jom Kippur gilt als heiligster und feierlichster Tag des jüdischen Jahres. Der Schwerpunkt liegt auf Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder (einschließlich Lederschuhen) und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten. Das Fasten – der gänzliche Verzicht auf Essen und Trinken – beginnt kurz vor Sonnenuntergang und endet am folgenden Tag nach Einbruch der Nacht.

Der Gottesdienst beginnt mit dem Gebet „Kol Nidre“, das vor Sonnenuntergang gelesen wird. Kol Nidre, aramäisch für „Alle Gelübde“, ist eine öffentliche Aufhebung aller Gelübde, die im folgenden Jahr eingegangen werden. Die deutsche Übersetzung dieses Gebets lautet: „Alle Gelübde, Verbote, Bannsprüche, Umschreibungen und Nebenbezeichnungen derselben, Strafen und Schwüre, die wir geloben, schwören, als Bann aussprechen, uns als Verbot auferlegen von diesem Versöhnungstage bis zum Glück bringenden nächsten Versöhnungstag: alle bereue ich, alle seien aufgelöst.“ Nach jüdischer Tradition betrifft dies ausschließlich Verpflichtungen oder Entsagungen, welche die Person des Gelobenden betreffen, nicht aber Versprechen, die einem Nebenmenschen gegenüber eingegangen werden.

Jom Kippur ist der Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr, die am Neujahrstag Rosch ha-Schanah beginnen. Zwar ist reuevolles Gebet zu allen Zeiten möglich, gilt aber an diesem Tag als besonders wirkungsvoll.

Das Morgengebet enthält zahlreiche Litaneien und Bitten um Vergebung, die auf hebräisch Selichot genannt werden.

Gemäß Maimonides „hängt alles davon ab, ob die Verdienste eines Menschen die von ihm begangenen Fehler überwiegen“. Deshalb sind zahlreiche gute Taten vor dem Urteil am Versöhnungstag angebracht. Wer von Gott als wertvoll erachtet wird, wird ins Buch des Lebens eingeschrieben, und so wird im Gebet gesagt: „Schreibe uns ins Buch des Lebens ein“. Auch begrüßt man sich mit den Worten: „Mögest du (im Buch des Lebens) für ein glückliches Jahr eingeschrieben werden.“

Auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 wurde der Versöhnungstag beibehalten. „Auch ohne dargebrachte Opfer bewirkt der Tag an sich Versöhnung“ (Midrasch Sifra, Emor, XIV). Nach der jüdischen Lehre ist der Tag nutzlos, solange er nicht von Reue begleitet ist. Das reuevolle Eingeständnis von Sünden war eine Bedingung zur Sühne. „Der Versöhnungstag befreit von Sünden gegen Gott, jedoch von Sünden gegen den Nächsten erst, nachdem die geschädigte Person um Verzeihung gebeten worden ist“ (Talmud Joma VIII, 9). Daher stammt der Brauch, am Vorabend des Fasttages alle Streitigkeiten beizulegen. Am Versöhnungstag erhalten auch die Seelen der Toten Vergebung. Im Gebet Jiskor wird in der Synagoge der Verstorbenen gedacht.

Im Gegensatz zur vorherrschenden Meinung ist Jom Kippur kein trauriger Tag. Sephardische Juden bezeichnen diesen Festtag als „weißen Fasttag“. Viele Juden pflegen sich an diesem Tag weiß zu kleiden, als Symbol der Reinheit von Sünden.

Morgen Abend werden wir uns hier in unsere kleine Synagoge begeben und einen ganz besonderes Kol Nidre haben, Jalda Rebling wird nämlich wieder als Gastchassanit dort sein. Vorher aber feiern wir im Kreise der Familie zusammen mit Oma und Opa die noch bis zum Sonntag bei uns zu Besuch sind Shabbes .

Ungefähr so wie hier beschrieben wir auch unser Shabbes morgen ablaufen:

http://www.jafi.org.il/education/german/festivls/JomKippur/19.html

Jom Kippur Zeremonie in der Familie

1. Zedakah
In vielen Synagogen ist es üblich, am Nachmittag vor Jom Kippur Körbchen auf einem Tisch aufzustellen. Jedes Körbchen trägt den Namen einer Einrichtung (Schule, Kindergarten, Krankenhaus, Elternheim, etc.). Leute, die zum Gottesdienst kommen, legen Geld in die Körbchen.

Zedakah zu geben, ist eine Möglichkeit, am Jom Kippur um Verzeihung zu bitten.

Bevor sich die Familie am Vorabend des Jom Kippur zum Mahl zusammensetzt, kann eine kleine Summe für Zedakah beiseite gelegt werden.

2. Hamotzi – Segen über das Brot
Das Mahl vor Jom Jippur ist besonders festlich, da es das letzte Essen ist, das wir vor dem Fasten zu uns nehmen. Wenn wir die Challah teilen ist wir für die Segnungen des Lebens, der Gesundheit, Liebe und Freundschaft dankbar.

Baruch ata adonai eloheinu melech
ha’olam hamotzi lechem min ha’aretz.

Wir danken Dir, Ewiger, für die Segnung des Brotes und das festliche Mahl, dass wir gemeinsam geniessen.

3. Birkat HaMazon – Tischgebet
Gemeinsam danken wir für das festliche Mahl, das wir gerade gegessen haben.


Baruch ata adonai hazan et hakol


Oseh schalom bimromav hu ja’aseh schalom

aleinu we’al kol Israel we’imru amen.

Wir danken, Dir, Ewiger für das festliche Mahl, dass wir miteinander geteilt haben, für die Speisen, die wir an diesem Tisch zu uns genomen haben, für die Torah und die Gebote, die unser Leben leiten, für Israel, die Heimat des jüdischen Volkes, für unsere Freiheit, als Juden zu leben, für Leben, Kraft und Gesundheit.
Segne unsere Familie und gewähre uns ein gutes Jahr.

Siehe: Lieder

4. Birkat Habanim -Segnung der Kinder
Am Jom Kippur segnen die Eltern ihre Kinder. Vielleicht möchten sie gerne dem traditionellen priesterlichen Segen eigene Worte hinzufügen.


Jewarech’cha adonai w’jischm’recha
ja’er adonai panaw elecha wichuneka
jisa adonai panaw elecha w’jasem l’cha schalom.

Möge dich der Ewige segnen und erhalten.
Möge er über dich in Liebe wachen.
Möge er dir ein langes Leben in Gesundheit, Freude und Frieden gewähren.

5. Hadlakat Nerot – Kerzen Zünden
Bevor die Familie in die Synagoge geht, wird der Jom Kippur mit dem Entzünden der Lichter willkommen geheissen.

Baruch ata adonai eloheinu melech
ha’olam ascher kid’schanu b’mitzwotaw

w’ziwanu l’hadlik ner schel jom hakippurim

Baruch ata adonai eloheinu melech
ha’olam schehechejanu w’kij’manu
w’higijanu la’sman haseh.

Wir danken Dir, Ewiger, dass unsere Familie gemeinsam Jom Kippur feiern kann und für das Gebot des Kerzen Zündens. Vergib uns und hilf uns, anderen zu vergeben. Mögen wir mit einem Jahr des Friedens gesegnet sein.

 

Wir wünschen uns und allen die fasten, ein leichtes Fasten und möget Ihr ( im Buch des Lebens) besiegelt werden.Gmar Chatima towa! 

Eine Jahrzeitkerze für meinen Vater und meine Grossmütter sel.A.