Zur Zeit ist bei uns Saure-Gurken-Zeit. Der König hat seinen Job an der hiesigen Waldorfschule verloren und tingelt jetzt als reisender Deutschlehrer durch die Gegend. Gott sei Dank kommen immer noch Guideaufträge rein, trotz dem es schon November ist, eben einer für den 1. Dezember. Ihr seht, unsere Gegend wird zu einem Mallorca des Nordens. Nebenbei muss er noch ein paar Pünktchen an der Uni machen…

Die Regierung ist nach wie vor im Kindergarten in Malmö, 26 Stunden pro Woche, aber immerhin. Mehr würden wir auch als Familie kaum aushalten: Die eigenen Kinder sollten vielleicht immer Vorrang haben Aber ein paar kleine Krönchen sind’s immerhin.

Den Kindern geht’s so weit ganz gut, denken wir jedenfalls. Auch Jacob beteuert das ständig, aber ihm glauben wir’s nicht so richtig: Er geht jetzt in die vierte Klasse besagter Waldorfschule, und wann immer man mal zufällig dorthin kommt, sieht man ihn allein auf dem Schulhof herum stromern. Kein Mensch redet mit ihm! Und allein dieser Anblick macht dich als Elternteil krank und kränker. Er hat nun die mehr oder weniger offizielle Diagnose Dyslexie bekommen – die gibt’s hier nicht in diesem Wort; sie heisst Lese- und Rechtschreibschwäche (so nannte man das wohl auch in der DDR). Seine Lehrerin meint, er wäre im sozialen Verhalten hinter seinen Altersgenossen zurück geblieben, und es wäre sehr schwer, ihn zu integrieren. Nun weiss ich nicht, ob es so schlimm ist, mit zehn noch kein aufmüpfiger Tropf zu sein, vielleicht ein bisschen langsam zu sein,ein bisschen mopsig auszusehen, viel mit Kleineren zusammen sein zu wollen. Er ist nun mal der Grösste bei uns, ist immer mit Kleineren zusammen, ist nun mal ein bisschen langsam, hat es schwer sich auszudrücken, eine Satz hervor zu bringen. Und er hat einen herrlichen Charme, bezaubert mit diesem oft Erwachsene. Und er ist nicht dumm, nur langsam. Und er liest endlich, langsam , in seinem eigenen Takt, aber von alleine.

Ja, na und! Ist es nicht die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, ihn trotzdem oder gerade deshalb in die Gruppe einzufügen, gerade weil er es schwerer hat als andere! Aber mit der Lehrerin ist kaum ’nen vernünftiges Wort mehr möglich, seit wir Anfang des letzte Schuljahres unsere Ängste bei einer Elternversammlung beim Namen genannt haben. Aber er, er liebt sie! Es gibt keine bessere Lehrerin als C., hat er neulich gesagt. Naja, woher soll er es auch wissen: Er kennt ja keine andere…

Und wir, wir wissen nicht weiter!

Und dann dazu noch diese besch…ene finanzielle Situation mit nur einem 60%-Job.

Aber die Hoffnung stirbt bekantlich zuletzt: Wir gehen das an, suchen für Jacob ’ne neue Schule, für die anderen eventuell gleich mit, was bloss nicht so einfach ist, da zumindest Yori unter keinen Umständen dort weg will… Es gibt hier in der Stadt ’ne englische Schule, da sind Kinder aus aller Herren Länder, kaum jemand hat Englisch als Muttersprache. Vielleicht wär ja das was. Wissen tun wir’s nicht.

Heute morgen habe ich aber durch einen Zufall agloco, a global community, gefunden. Vielleicht kann ja die ganze Welt helfen, zumindest unser Finanzproblem zu lösen…, indem sie sich dort anmeldet.